Alle Beiträge von Susen Döbelt

Forschungsarbeit trifft auf Realität: Die AndProtect-App im Feldversuch

Im September letzten Jahres starteten wir den abschließenden Feldversuch unseres Forschungsprojektes und ließen unsere Entwicklung unter realen Bedingungen von Nutzern und Nutzerinnen testen. Der Feldversuch dauerte bis November und hatte zum Ziel, die Benutzerfreundlichkeit unserer AndProtect-App bewerten zu lassen. Zudem wollten wir untersuchen, ob und wenn ja, welche Verhaltensänderungen sich durch unsere Analyse-App ergeben. Der siebenwöchige Feldversuch lieferte überraschende, interessante und vor allem viele Ergebnisse, die wir im Folgenden kurz zusammenfassen wollen.

Wie lief unser Feldversuch ab?

Im August 2017 starteten wir einen Aufruf zur Teilnahme an unserer Smartphone-Studie. Dieser Studienaufruf wurde über Mailverteiler und die Testpersonendatenbank der Professur für Allgemeine und Arbeitspsychologie der TU Chemnitz (TUC) gestreut. Innerhalb des Studienaufrufes verzichteten wir auf die genaue Beschreibung bzw. das Ziel unserer entwickelten App, da wir auch Personen, die sich bisher wenig oder nicht für Daten-/und Privatsphärenschutz interessierten, einbinden wollten. Das Studiendesign wurde im Vorfeld durch die Ethikkommission der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften der TUC begutachtet und Hinweise eingearbeitet.

Der Feldversuch startete im September 2017 individuell zwei Wochen vor einem vereinbarten Vor-Ort-Termin. Diese ersten beiden Wochen dienten zur Erfassung des „normalen“ App-Nutzungsverhaltens der Teilnehmer (Baselinephase). Hierfür übermittelten uns die Teilnehmer ihre Liste installierter Apps und füllten zwei Onlinebefragungen aus. Dies wurde in den folgenden vier Wochen der Versuchsphase so fortgesetzt. Die Versuchsphase begann mit einem Vor-Ort-Termin in den Laborräumen der TUC. Hier wurden die Teilnehmer gebeten, die AndProtect-App zu installieren und ihren ersten Eindruck zu schildern. Während der Versuchsphase konnte eine Hälfte der Teilnehmer (Gruppe 1) die AndProtect-App vier Wochen durchgängig in vollem Umfang nutzen. Für die andere Hälfte der Versuchsteilnehmer (Gruppe 2) gliederte sich die Versuchsphase in eine erste Phase, ohne Individualisierungsfunktion und in eine zweite Phase, in der die Individualisierungsfunktion verfügbar war. Somit war für uns ein Vergleich des AndProtect-App-Nutzungsverhaltens mit und ohne Individualisierungsfunktion möglich. Durch die Individualisierungsfunktion konnten die Teilnehmer die Bewertung einer App anpassen, indem sie das Risiko von Datenarten (z. B. Standort) für ihre Apps selbst einschätzten.

Zentrale Inhalte der wöchentlichen Befragungen in der Versuchsphase waren auf das App-Nutzungsverhalten sowie die Gebrauchs- und Alltagstauglichkeit der AndProtect-App bezogen. Der Aufwand für die Teilnahme an der Baseline- und Versuchsphase wurde jeweils mit einer Aufwandentschädigung vergütet. Der Feldversuch endete Mitte November 2017.

Wer nahm an unserem Feldversuch teil?

Auf Basis der Angaben in einem ersten Screeningfragebogen (installierte Betriebssystemversion, Anzahl der installierten und genutzten Apps, Verfügbarkeit und Bereitschaft am Feldversuch über 6 Wochen teilzunehmen) wählten wir 28 Probanden für den Versuch aus. Dabei achteten wir auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Zudem wählten wir eine große Bandbreite von Teilnehmern mit wenigen bis sehr vielen installierten Apps aus. Letztendlich waren 27 Teilnehmer bereit den Feldversuch zu beginnen, davon erschienen 26 zum Vor-Ort-Termin und starteten die Versuchsphase. Die Versuchsphase beendeten 22 Teilnehmer von denen 21 alle Befragungen vollständig ausfüllten.

Die 26 Teilnehmer, die die Versuchsphase begannen, waren im Mittel 34 Jahre alt. Es nahmen geringfügig mehr Männer (14) als 12 Frauen an der Versuchsphase teil, deren höhste Bildungsabschlüsse (31% Lehre; 27% Fachhochschule/Hochschule; 19% Abitur) mit der deutschen Bevölkerung vergleichbar sind. Die Unterstützung von Forschung und Entwicklung motivierte die Mehrheit zur Teilnahme am Feldversuch. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Teilnehmer an unserem Feldversuch eine heterogene Stichprobe bilden, welche eine Bandbreite von Personen mit unterschiedlichen demographischen Variablen beinhaltet.

Die Teilnehmer des Feldtests beschrieben sich selbst als technikaffin und kompetent im Umgang mit Smartphones und Apps. Sie besitzen im Mittel seit acht Jahren ein Smartphone und nutzen Apps täglich über zwei Stunden, besonders Messenger-Apps. Die Feldtestteilnehmer beschreiben sich selbst als „etwas besorgt“ hinsichtlich ihrer Privatsphäre. Im Vergleich zu anderen Stichproben sind diese Angaben als nicht überdurchschnittlich hoch einzuordnen.

Die Teilnehmer schätzen überwiegend die Effektivität von Smartphone-Apps. Als Nachteil empfinden sie v.a. die ablenkende Wirkung, die Funktions- /Bedienweise von Apps und die Gefährdung der Privatsphäre. Letzteres wurde -wenig überraschend- zum Ende des Feldversuches häufiger genannt.

Wie wird die AndProtect-App bewertet?

Während der Versuchsphase fragten wir die Teilnehmer regelmäßig, ob und aus welchen Gründen sie die AndProtect-App nutzten oder nicht. Das Kennenlernen und die Bewertung der AndProtect-App im Rahmen der Studie waren für die Teilnehmer die überwiegenden Gründe die AndProtect-App zu nutzen. Neben dem allgemeinen Interesse an Funktionen und Inhalten nutzten die Teilnehmer die AndProtect-App auch gezielt um bestimmte Apps zu überprüfen.

Die Teilnehmer nutzten die AndProtect-App in der ersten Woche häufiger als in den folgenden Wochen der Versuchsphase. Als Grund für die Nicht-Nutzung der AndProtect-App wurden v.a. „kein Bedarf/Mehrwert“ und „mangelnde Zeit“ genannt. Das Informationspotential unserer App nimmt über die Zeit ab, denn es kamen im Verlauf der Versuchsphase nach der initial erhaltenen Reportliste nur noch vereinzelte Berichte zu angefragten Apps hinzu. Am besten bewerteten die Teilnehmer die Informationen zu den einzelnen Apps und die Farbkodierung, die den Risikowert einer App anzeigt.

Erfreulich für uns war, dass von den Teilnehmern deutlich weniger konkrete Nachteile als Vorteile der AndProtect-App genannt wurden. Die inhaltlich benannten Nachteile verteilten sich sehr divers auf vielfältige Funktionen und Komponenten der AndProtect-App. Dabei wurden bspw. lange Wartezeiten, zu wenige gescannte Apps, mangelnde Handlungsoptionen und mangelnde Informationen zur Bedienung der App genannt. Daraus konnten wir viele Verbesserungsmöglichkeiten ableiten.

Die Teilnehmer stimmen zudem im Mittel „eher zu“, dass die App reliabel und funktional ist. Dies unterschied sich jedoch von den Bewertungen hinsichtlich der Nützlichkeit. Hier stimmten die Teilnehmer im Mittel „eher nicht“ zu. Hieraus (und aus den zuvor kritisierten mangelnden Handlungsoptionen) ergibt sich für uns Weiterentwicklungspotential für die AndProtect-App, unter anderem weiterführende Handlungsempfehlungen für Smartphone-Nutzer auszusprechen.

Zur Erfassung der Usability und User Experience wurden verschiedene standardisierte Fragebögen eingesetzt. Hier fiel die Bewertung der AndProtect-App insgesamt „gut aus. Es konnten zudem keine Gruppenunterschiede (mit vs. ohne Individualisierungsfunktion) festgestellt werden.

Was verändert die AndProtect-App und was nicht?

Nach eigener Einschätzung des überwiegenden Teils der Feldversuchsteilnehmer bewirkte unsere AndProtect-App im App-Nutzungsverhalten eine Veränderung. Dies bezog sich zum einen auf die genauere Prüfung von Permissions bzw. das Ändern/Entziehen von Permissions. Diese Einschätzung spiegelte sich bedingt in den geschlossenen Fragen zur Nutzung der Permissions-Funktion wieder. Hier lässt sich eine geringfügige Tendenz feststellen, dass die Teilnehmer ihren Apps ab der Nutzung der AndProtect-App häufiger Permissions entzogen. Der Anteil der Apps, bei denen unsere Teilnehmer Permissions ausschalteten, stieg um 10%. Dieser Anstieg war bei Teilnehmern zu verzeichnen, die die Funktion vor dem Feldtest schon nutzten, da der Anteil dieser Funktionsnutzer nicht anstieg. Insgesamt ist jedoch der Anteil der Permissions, die eingeschaltet wurden, zu jedem Befragungszeitpunkt größer als der Anteil der ausgeschalteten Permissions.

Das Ein- und Ausschalten von Permissions scheint also für einige Probanden eine sinnvolle Funktion zu sein, die durch unsere AndProtect-App häufiger genutzt wird. Andere Probanden nutzen die Funktion hingegen gar nicht, was durch den Feldtest auch nicht verändert werden konnte.

Besonders zu Beginn der Versuchsphase ist ein Anstieg von deinstallierten Apps zu verzeichnen. Daraus lässt sich ableiten, dass die AndProtect-App zu einer Art Aufräumeffekt führt. Die Begründungen der Teilnehmer für die Deinstallationen bestätigen dies: Sie gaben an, keinen Bedarf mehr für die deinstallierte App zu haben oder sie nannten explizit, dass die Informationen der AndProtect-App sie zur Deinstallation bewogen haben.

Ergänzend muss zu den Deinstallationen angemerkt werden, daß diese bereits in der Mitte der Baselinephase einsetzten, noch bevor die AndProtect-App installiert wurde. Hier vermuten wir, dass allein das Übersendung der Appliste in der Baselinephase die Teilnehmer motiviert haben könnte Apps zu deinstallieren.

Der Deinstallationseffekt zeigt sich zudem nicht für alle Teilnehmer. Betrachtet man die individuellen Verläufe installierter Apps, so ergeben sich auch Anstiege. Dies lässt uns vermuten, dass die AndProtect-App nur für bestimmte Teilnehmer einen Effekt hatte. Dies stimmt mit den Selbsteinschätzungen der Probanden überein; denn etwa ein Drittel gab an, keine Veränderung im Umgang mit Apps durch die AndProtect-App bemerkt zu haben.

Nach der Installation der AndProtect-App stiegen auch die Installationen anderer Apps leicht an. Aus den Begründungen für die Installationen neuer Apps lässt sich ausschließen, dass es sich bei den Neuinstallationen um „Alternativ-Apps“ handelte, sondern Empfehlungen von Freunden oder ein individueller Bedarf zu einer Installation führten.

Weiterführende Informationen

Die Ergebnisse unseres Feldtests haben wir hier in einer kurzen Präsentation für Sie grafisch aufbereitet.

Wir bedanken uns recht herzlich für die Unterstützung und Geduld bei den Teilnehmern unseres umfangreichen Feldversuches.

Für weiterführende Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Das AndProtect-Team

Susen Döbelt (susen.doebelt[at]psychologie.tu-chemnitz.de)

Josephine Halama (josephine.halama[at]psychologie.tu-chemnitz.de)

Sebastian Fritsch (sfritsch[at]secuvera.de)

Minh-Hoang Nguyen (minh-hoang.nguyen[at]dai-labor.de)

App-Nutzer wünschen sich die Kontrolle über ihre Daten zurück

Bis Anfang Mai befragten wir insgesamt 227 Smartphone-Nutzer zu ihren Datenschutzbedenken bei der Nutzung unterschiedlicher Applikationen. Das Ziel war, anhand der Ergebnisse der Befragung zentrale Anforderungen für die nutzerzentrierte Gestaltung des AndProtect-Werkzeuges ableiten zu können. Insbesondere die Bewertung unterschiedlicher Datenarten durch Smartphone-Applikationen hinsichtlich der Bedrohlichkeit für die eigene Privatsphäre stand für uns im Vordergrund.

Die Befragungsteilnehmer

Die Teilnehmer für unsere Befragung gewannen wir durch Einladungen über Studenten-/Mitarbeiter-Verteiler, eine Facebook-Meldung der TU Chemnitz, die Ansprache über die Testpersonendatenbank der Allgemeinen und Arbeitspsychologie der TU Chemnitz, durch die Weiterverteilung anderer Forschungsprojekte der Förderinitiative „Selbstbestimmt in der digitalen Welt“ und nicht zuletzt durch die Ansprache persönlicher Kontakte der AndProtect-Projektpartner secuvera GmbH und des DAI-Labors der TU Berlin.

Unserer Einladung folgten 81 Frauen und 146 Männer im Alter von durchschnittlich 35 Jahren, die 30 Minuten lang offene und geschlossene Fragen zum Thema Datenschutz bei mobilen Applikationen beantworteten. Die Befragten waren überwiegend im Besitz eines Android-Smartphones, welches sie durchschnittlich etwa zwei Stunden pro Tag überwiegend für Kommunikations- und Recherchezwecke nutzen. Im Vergleich zu anderen installierten Applikationen nutzen die Befragten am häufigsten ihre Messenger-App. Im Mittel schätzten sie sich selbst als technikaffin und besorgt um ihre Privatsphäre ein. Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, bisher noch keine negativen Erlebnisse hinsichtlich der Verletzung der eigenen Privatsphäre (sowohl im Bereich Internetnutzung als auch außerhalb) gemacht zu haben. Insgesamt entspricht unsere Stichprobe der Befragten nicht der deutschen Bevölkerung, ist allerdings als repräsentativ für deutsche Smartphone-Nutzer anzusehen.

Wünsche der Befragten zum besseren Schutz der Privatsphäre im mobilen Bereich

Unsere Befragten sollten in einem offenen Antwortformat beschreiben, wie der Privatsphärenschutz im mobilen Bereich aus ihrer Perspektive verbessert werden könnte. Die kategorisierten Antworten zeigten, dass die Befragten sich am häufigsten
(37 %) detaillierte Funktionen wünschen, die ihre Kontrolle über ihre Daten stärken. Zudem wurden von 28 % der Befragten sicherheitstechnische Maßnahmen zum Schutz der persönlichen Daten genannt. Die Forderung nach „Maßnahmen zur Transparenzerhöhung“ machten15 % der Antworten unserer Befragten aus. Aber auch der Wunsch nach verstärkten gesetzlichen Kontrollen und Ahndungen von Privatsphärenverstößen (9 % der Antworten) sowie einem grundsätzlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wertewandel (7 % der Antworten) wurde von den Befragten erwähnt. Ein grundsätzlicher Verzicht auf die Nutzung von Services (wie beispielsweise mobile Applikationen) wurde von 4 % der Befragten als mögliche Maßnahme für den Privatsphärenschutz genannt.

Bedenken hinsichtlich unterschiedlicher Datenarten

Bei dem überwiegenden Teil der 15 präsentierten Datenarten stimmten die Befragten zu, ihre Privatsphäre als bedroht zu empfinden, wenn eine App diese Daten verwendet. Insgesamt wird die Verwendung von Daten zur Anrufhistorie, Kameradaten und lokalen Dateien am kritischsten bewertet. Im Kontrast dazu bewerteten die Befragten Daten zur Applikationsnutzung, Daten zum WLAN-Status und Standortdaten als am wenigsten bedrohlich. Das kontinuierliche Verwenden der präsentierten Datenarten wurde als deutlich bedrohlicher empfunden als die Verwendung dieser Daten bei einer App-Interaktion.

Bedenken hinsichtlich unterschiedlicher App-Gruppen

Die Bewertung zur Bedrohung der eigenen Privatsphäre wurde in unserer Befragung für vier unterschiedliche App-Gruppen erhoben. Es handelte sich dabei um die App-Gruppen der Karten-/Navigations-Apps, der Messenger-Apps, der Wetter-Apps und der Shopping-Apps. Die Befragten schätzten ein, inwieweit sie ihre Privatsphäre als bedroht empfinden, wenn eine der vier App-Gruppen bestimmte Datenarten, wie z. B. Kommunikations- oder Standortdaten, verwendet. Dabei wurde für jede der vier App-Gruppen nach der Bedrohlichkeitseinschätzung von 15 Datenarten gefragt.

Über alle vier App-Gruppen zeigte sich, dass die Nutzungshäufigkeit bzw. die durch die Befragten eingeschätzte Wichtigkeit einer der genannten Apps in keinem Zusammenhang mit den Bedrohlichkeitsbewertungen der Datenarten standen. Zudem wurde bei allen App-Gruppen deutlich, dass die kontinuierliche Verwendung von Daten als deutlich bedrohlicher bewertet wurde als die Verwendung von Daten bei der Interaktion mit einer App. Die Unterscheidung zwischen der kontinuierlichen Datennutzung und der Datennutzung bei der Interaktion mit einer App beeinflusste hingegen nur geringfügig, welche Datenarten bei den vier App-Gruppen jeweils als besonders bedrohlich bzw. weniger bedrohlich eingeschätzt wurden. Für die einzelnen App-Gruppen machten unsere Befragten die folgenden spezifischen Angaben zu den unterschiedlichen Datenarten:

  • Karten-/Navigations-App: Die Verwendung von Kommunikationsdaten und lokalen Dateien wurde am bedrohlichsten für die eigene Privatsphäre bewertet. Standortdaten wurden dagegen als am wenigsten bedrohlich eingeschätzt.
  • Messenger-App: Die Verwendung von Einkaufsdaten wurde am bedrohlichsten für die eigene Privatsphäre bewertet. Daten zur Applikationsnutzung der Messenger-App dagegen als am wenigsten bedrohlich.
  • Wetter-App: Die Befragten bewerteten die Verwendung von lokalen Dateien, Kommunikationsdaten und Audiodaten als am bedrohlichsten für die eigene Privatsphäre. Standortdaten wurden als am wenigsten bedrohlich eingeschätzt.
  • Shopping-App: Die Befragten bewerteten die Verwendung von Kontaktdaten als am bedrohlichsten für die eigene Privatsphäre. Einkaufsdaten werden dagegen als am wenigsten bedrohlich eingeschätzt.

Es zeigte sich, dass die jeweils am bedrohlichsten und am wenigsten bedrohlich bewerteten Datenarten von App-Gruppe zu App-Gruppe variieren. Die Befragten bewerteten ihre Privatsphäre als weniger bedroht, wenn eine App Datenarten erfasst, die für ihre Funktion notwendig sind (z. B. Karten-/Navigations-App erfasst Standortdaten). Dies offenbarte, dass die Befragten gut einschätzen konnten, ob eine Datenart für die Funktion einer App erforderlich ist oder nicht. Die Unterscheidung von erforderlichen und nicht erforderlichen Daten wird im Folgenden näher betrachtet.

Unterscheidung nach erforderlichen und nicht-erforderlichen Daten

Zunächst schätzten zwei Expertengruppen der Projekte AndProtect und AVARE ein, inwieweit die 15 präsentierten Datenarten für die Funktion der vier App-Gruppen erforderlich sind. Dabei wurden die drei Abstufungen „erforderlich“, „zum Teil erforderlich“ oder „nicht erforderlich“ verwendet. Diese Einteilung wurde für die nachfolgenden Betrachtungen zugrunde gelegt.

Erwartungskonform ergab sich für alle App-Gruppen zusammengenommen folgende Rangreihe zur Einschätzung der Bedrohlichkeit für die Privatsphäre, beginnend mit der am wenigsten bedrohlichen Abstufung: erstens erforderliche Datenarten, zweitens zum Teil erforderliche Datenarten und drittens nicht erforderliche Datenarten. Der Grad der Erforderlichkeit steht demnach in direkter Verbindung mit der Bewertung der Bedrohlichkeit für die eigene Privatsphäre.

Die Messenger-App wurde bei der Erfassung von erforderlichen Daten als deutlich bedrohlicher wahrgenommen als andere App-Gruppen. Dies ließ sich aber für zum Teil erforderliche Daten und nicht erforderliche Daten nicht bestätigen. Bei diesen wurden jeweils die Karten-App und die Wetter-/Shopping-App als bedrohlicher als die Messenger-App eingeschätzt. Das heißt, die wahrgenommene Bedrohung der eigenen Privatsphäre wird nicht durch die App-Gruppe, sondern durch die Erforderlichkeit der Datenerhebung beeinflusst.

Individuelle Einflussfaktoren auf die Bewertung der Bedrohung der eigenen Privatsphäre

Um zu prüfen, ob bestimmte selbstbeschreibende Angaben der Befragten mit der Einschätzung der Bedrohlichkeit der Datenarten für bestimmte App-Gruppen zusammenhängen, wurden die Variablen Alter, Geschlecht, Technikaffinität, Privacy Concerns und Mobile Privacy Concerns, Wissen über Apps, negative Erfahrungen und der Installationsprozess näher untersucht.

Für die Skalen Privacy Concerns und Mobile Privacy Concerns ergab sich ein bedeutsamer Zusammenhang mit den Bewertungen der Bedrohlichkeit der verschiedenen Apps. Befragte, die sich selbst als besorgter beschrieben, gaben für alle App-Gruppen und sowohl bei der kontinuierlichen Verwendung der Daten als auch bei der Datenverwendung während der Interaktion mit einer App höhere Werte an. Bei allen anderen untersuchten Variablen Alter, Geschlecht, Technikaffinität, Wissen und negative Erfahrungen konnten keine eindeutigen Zusammenhänge bzw. Unterschiede zwischen den Bewertungen der Bedrohlichkeit nachgewiesen werden.

Auch für den Installationsprozess einer App (selbst installiert oder vorinstalliert) konnten keine konsistenten Unterschiede hinsichtlich der Bedrohlichkeitsbewertung identifiziert werden. Ob eine App vom Nutzer selbst installiert wurde oder bereits auf dem Smartphone vorinstalliert war, beeinflusst demnach die Wahrnehmung zur Bedrohung der eigenen Privatsphäre nicht.

Zentrale Befunde der AndProtect-Befragung

Die Ergebnisse unserer Befragung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Smartphone-Nutzer wünschen sich (neben Transparenzerhöhung, gesetzlichen Ahndungen von Privatsphärenverstößen und Wertewandel) aktiv sicherheitstechnische Maßnahmen und detaillierte Funktionen, um ihre Privatsphäre zu schützen.
  • Jegliche Verwendung von Daten wird von den befragten Smartphone-Nutzern kritisch bewertet.
  • Die Messenger-App ist für Smartphone-Nutzer zentral. Obwohl eine bestimmte App häufig genutzt wird und für den Nutzer wichtig ist, kann diese als privatsphärenbedrohlich bewertet werden.
  • Das kontinuierliche Verwenden von Daten wird von den Smartphone-Nutzern noch mal als deutlich bedrohlicher bewertet als das Verwenden von Daten bei Interaktion. Dies gilt für alle untersuchten App-Gruppen.
  • Die Wahrnehmung zur Bedrohung der Privatsphäre ist verknüpft mit der Erforderlichkeit von Daten für die Funktionsweise einer App.
  • Nutzer, die besorgter hinsichtlich ihrer eigenen Privatsphäre sind, bewerten das Verwenden von Daten auch als bedrohlicher.
  • Alter, Geschlecht, Technikaffinität, Wissen, negative Erfahrungen oder der Installationszeitpunkt einer App stehen in keinem Zusammenhang mit der Bewertung zur Bedrohung der eigenen Privatsphäre.

Weiterführende Informationen

Die Ergebnisse unserer Online-Befragung haben wir hier in einer kurzen Präsentation für Sie aufbereitet. Informationen rund um unser Forschungsprojekt AndProtect finden sie hier auf unserer Webseite.

Wir bedanken uns recht herzlich für die Unterstützung bei den Teilnehmern unserer Befragung! Zudem bedanken wir uns für die inhaltliche Unterstützung beim gesamten AVARE-Projektteam. Bezüglich der Weiterverbreitung unseres Befragungslinks wollen wir uns bei der Stelle für Öffentlichkeitsarbeit der TU Chemnitz und der Förderprojekte der Förderschiene „Datenschutz: selbstbestimmt in der digitalen Welt“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, bedanken.

Für weiterführende Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Das AndProtect-Team

Susen Döbelt (susen.doebelt@psychologie.tu-chemnitz.de)

Sebastian Fritsch (sfritsch@secuvera.de)

Minh-Hoang Nguyen (minh-hoang.nguyen@dai-labor.de)